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Für den Geist sind die Maschen nicht zu eng

 
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Merkstwas
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Joined: 27 Dec 2006
Posts: 59
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PostPosted: Tue Jun 10, 2008 4:29 pm    Post subject: Für den Geist sind die Maschen nicht zu eng Reply with quote

Welthungerhilfe verteilt Moskitonetze und klärt die Liberianer über den Gebrauch auf - Gastgeschenk der Kanzlerin

Ein Versprechen wird erfüllt: Bei ihrem Besuch im Herbst hat Kanzlerin Merkel Liberia Moskitonetze versprochen - im Kampf gegen Malaria. Verteilt werden sie nun in den entlegensten Dörfern des Landes.
Nach stundenlanger Fahrt über aufgeweichte Lehmstraßen und einem Fußmarsch ist B"hai Joezon erreicht. Fünf armselige Hütten auf einer Lichtung im Regenwald. Die Frauen des Dorfes sortieren Waldfrüchte. Die Männer trotzen mit Hacken dem Busch ein wenig mehr Anbaufläche ab. Vierzehn Jahre Bürgerkrieg haben Liberia zerrüttet. Die Bewohner von B"hai Joezon sind Flüchtlinge, die sich gerade wieder ansiedeln. Ihr Leben wirkt, als wären sie soeben aus dem Zeitalter der Jäger und Sammler in das der Ackerbauern getreten. Sie schöpfen Trinkwasser aus Tümpeln, entleeren sich hinter Büschen. Lesen oder Schreiben kann keiner von ihnen. Seit gestern kennen sie Moskitonetze. Auf den T-Shirts der einheimischen Sozialarbeiter, die sie brachten, steht "MALARIA CAN KILL", darunter: "Welthungerhilfe". Was das deutsche Wort bedeutet, wissen selbst die jungen Helfer aus der Distrikthauptstadt Toetown nicht genau, aber dass Deutschland Liberia 300 000 Moskitonetze gegen die Infektionskrankheit Malaria gespendet hat, das schon. Angela Merkel hatte sie dem Präsidenten Ellen Johnson-Sirleaf als Gastgeschenk versprochen. Das war im Oktober. Mit der Realisierung wurde die Welthungerhilfe beauftragt. Eine logistische Herausforderung in einem Staat, dessen Stromversorgung selbst in der Hauptstadt dauernd zusammenbricht, und dessen Verwaltung nur durch die Präsenz der 15 000 UN-Kräfte aufrechterhalten wird. Das Anbringen der Netze erfordert Kleinigkeiten, an die zunächst niemand gedacht hatte. Etwa Schnüre und Nägel. Und die brauchen einen Hammer. Am Ende orderte man 1 200 000 Nägel und 600 Kilometer Schnur - pro Moskitonetz gerade mal zwei Meter. Natürlich hätte man die Container mit den Netzen im Hafen der Hauptstadt abliefern können. Aber dann wären die meisten irgendwann auf dem lokalen Schwarzmarkt gelandet. Genau das wollte die Welthungerhilfe vermeiden, sondern sicherstellen, dass die Hilfe ankommt, wo sie gebraucht wird. Die Container konnten dann teils nur mit UN-Hilfe zu Depots ins Landesinnere transportiert werden. Von dort werden sie von lokalen Partnerorganisationen der Welthungerhilfe per Lieferwagen oder Moped verteilt. Manche Siedlungen erreicht man erst nach einem Tagesmarsch. Zudem hat die Monsunzeit begonnen. Bald werden die wenigen Verkehrswege zu Schlammpisten und das Land in tiefen Regenschlaf versinken. Die Zeit drängt. Wir sind unterwegs mit Kristina Leipoldt, der deutschen Projektleiterin der Welthungerhilfe aus der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Die studierte Ethnologin will sich nach dem Fortschritt der Verteilungsaktion erkundigen. Auch für sie ist dies der erste Besuch in B"hai Joezon. Zum ersten Mal sieht sie eines der 300 000 Netze an seinem Bestimmungsort. Es hängt in der Hütte von Felicia (19) und ihrem Mann Junior Temo. Das junge Paar teilt sich mit dem zweijährigen Sohn eine Schlafmatte. Das Dach ihrer Hütte besteht aus Palmblättern, der Boden aus Sand, die Seitenwände aus dünnen Holzstämmen mit fingerdicken Spalten. "Wie war die erste Nacht unter dem schützenden Zelt?", fragt Leipoldt. "Gut", sagt Temo in gebrochenem Englisch. "Wir haben die Moskitos gehört wie immer, aber sie konnten uns nichts anhaben." Die deutsche Projektleiterin und die heimischen Sozialarbeiter sind zufrieden. Allein, dass die Netze in allen Hütten noch genau so hängen, wie sie angebracht wurden, ist ein gutes Zeichen. Da haben sie schon anderes erlebt. Manch einer nagelte sein Netz am Bettpfosten fest und riss gleich die ersten Löcher hinein. Oft, so Leipoldt, müsse man den Menschen zuerst klarmachen, wofür die Netze gut sind. Ein alter Mann musste überzeugt werden, dass die Maschen für die Moskitos zu eng wären, sein Geist des Nachts aber weiterhin durch das luftige Netz in die Welt reisen könne. Das Aufeinandertreffen der Kulturen ist vielleicht die größte Herausforderung. Aberglaube ist in Liberia weit verbreitet, eine langfristige Haushaltsführung hingegen kaum. Aber was würde all der Aufwand bringen, wenn Familien ihre Moskitonetze später für zehn Dollar verscherbeln? Weil es vielleicht an Geld für Kleidung fehlt, aber morgen dafür wieder Geld gesammelt werden muss, um eine Krankheit zu heilen, die zu vermeiden gewesen wäre - und deren Behandlung ein Vielfaches des Moskitonetzes kostet. In Liberia herrscht zudem die oft tödliche Malaria tropica. Laut einer Studie sind mehr als 66 Prozent der Kinder unter fünf Jahren bereits an Malaria erkrankt. Im Buschdorf B"hai Joezon wird das jetzt nicht mehr so leicht passieren. Das Team aber muss weiter. Am nächsten Morgen geht es nach Zia Town. Verglichen mit B"hai Joezon ein Ort des Wohlstands; es gibt Häuser mit Wellblechdach, ja, sogar einen Laden. Auf Kristina Leipoldt wartet eine Überraschung. Es hat sich herumgesprochen, dass "hoher Besuch" aus Monrovia naht. Da hat das Dorf ein Empfangskomitee zusammengestellt. Tanzende Liberianerinnen nehmen die Frau aus dem Westen gleich in ihre Mitte. Begleitet von Trommeln geht es zum Dorfplatz. Man will Dank für die Hilfe zeigen. Die Ältesten hocken bereits im Kreis, der Dorfchef wartet auf die Gelegenheit eine Ansprache zu halten. Auch die Deutsche wird eine Rede halten müssen. Das gehört in Afrika unbedingt dazu. Vorher aber wird ihr noch ein Huhn überreicht - genau wie der Kanzlerin. Es soll Glück bringen. Das wird auch das Projekt brauchen. Denn in den Lehmhäusern von Zia Town wurden die meisten Netze falsch angebracht. Sie hängen Zentimeter über dem Boden; durch den Spalt wird das an sich schützende Netz zur Falle für Moskito wie Mensch. Okay, daran muss man arbeiten, um den Menschen auch zu zeigen, dass sie mit ihrem Schicksal nicht ganz allein sind. Denn von staatlicher Seite ist wenig Hilfe zu erwarten, schon gar nicht vom örtlichen Distrikt-Beamten. Als Kristina Leipoldt ihn morgens in Toetown traf, genehmigte er sich gerade ein Bier zum Frühstück.

ROLAND BROCKMANN
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Serengeti
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Joined: 11 Jan 2008
Posts: 9
Location: DAR, TZ

PostPosted: Mon Jul 21, 2008 9:15 am    Post subject: Reply with quote

Bier zum Fruehstueck??? Ist doch normal! Very Happy Wink
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every day without beer consumption is a health risk!
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