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April 2002          

Von: "Tiger"

"Bong Originale" Remember it!

Jahrzehnte sind vergangen und Marion Gräfin Dönhoff schrieb damals in der "ZEIT" Nr. 33 Seite 3 am Freitag, den 13. August 1965 "Deutsche Pioniere in Liberia, das Vorbild der Bong Mining Company". Es war der erste Bericht, der die Bong auch einem breiten Publikum bekannt machte. Zum Schluß schrieb sie: Glanz und Elend des Fortschritts "Wenn man am Abend noch einmal heraus fährt auf den Erzberg und unter sich das hellerleuchtete Industriegelände sieht und die zahllosen Lichter der Bong-Siedlung, die sich in die endlos erscheinenden Nächte der afrikanischen Wälder hineingefressen haben, dann begreift man erst richtig, was hier geleistet worden ist. Aber man begreift voller Schrecken auch noch etwas anderes, nämlich die geradezu magnetische Anziehungskraft, die die moderne Zivilisation und ihr vermeintlicher Glanz auf diejenigen ausübt, die bislang im "Dunkel" lebten. Angelockt durch den Reichtum, den das Licht verheißt, verlassen sie ihre primitiven Hütten im Hinterland, tauschen aber gewöhnlich nur Armut gegen Elend ein, denn fern von der Geborgenheit in Familie, Stamm und Sippe wird die Armut automatisch zu Elend".

Nun, die Bong Lichter sind 1990 in dem Bürgerkrieg erloschen, der Urwald hat Bong Town zurück erobert. Es bleiben die Gedanken an die Bong Family und an wirklich ungewöhnliche "Originale", die hier unter der Sonne Afrikas gelebt haben, besonders in der ersten Zeit in Camp Wasserfall. Über die Bong ist im Laufe der Zeit viel geschrieben worden, aber die "Bong Originale" leben heute nur auf, wenn einige Oldtimer bei einem Bier (Club-Beer) zusammen sitzen und über die alten Zeiten in Afrika sprechen. Es sollen nun doch einige wenige "Originale" beschrieben werden, damit sie nicht in Vergessenheit geraten!

Auch Ernst Jünger (1895-1998) hat Liberia 1976 und 1979 besucht und ein "Bong Original" in seinen Tagebüchern "Siebzig verweht II" (Seite 275-288 u. 448-460) beschrieben.
"Cape Mount, 28. November 1976: Gleich am Nachmittag machen wir die erste Partie unter der kundigen Führung von Plenty so nennen die Neger einen beleibten Wiener, der hier seine Ferien verbringt. (Plenty verbrachte immer einen Teil seines Urlaubs in Cape Mount bei seinem geliebten Angeln) Weiter: Wir hatten zwei starke Angeln in See. Es dauerte nicht lange, bis die erste Rute knarrte und sich nach unten bog. Sie wurde am Gurt befestigt, den Gert und Plenty mir umschnallten. Der Fisch saß gut an der Angel; ich holte ihn, hin und wieder locker lassend, allmählich heran. Bald wurde ein Wirbel sichtbar, dann tauchte der Kopf auf, und der Bursche sprang in die Luft. Endlich hatte ich ihn dicht hinter dem Kiel, und Plenty hievte ihn mit einem Haken an Bord.
Ein fast mannslanger Barracuda, gut als erster Fang. Das Heranholen war weniger schwierig, als ich vermutet hatte allerdings ist der Barracuda, wie Plenty sagte, ein blinder Fisch. Das heißt, er folgt, ohne listenreich zu kämpfen, dem eingeholten Garn. Nun lag er an Bord, lang, schmal, von hechtartigem Bau. Die runden, starren Augen faßte ein silberner Ring ein, den Rücken wellte ein grünliches Muster auf zartem Violett, das bald erlosch."

Zum ersten "Bong Original", Max genannt "Plenty".
Er kam 1967 zur Bong und konnte kein Wort Englisch und in den ersten Wochen lernte er nur ein Wort, nämlich plenty! Anstatt zu seinen liberianischen Arbeitern zu sagen: lay go! Gab es für ihn nur: I say plenty! Die Liberianer staunten nur und so gaben sie ihm den Namen "Plenty". Er arbeitete im Erztagebau und wurde schnell ein Original auf der Bong. Es begann sich seine große Leidenschaft für das Angeln zu entwickeln. Nicht am St. Pauls River, der in der Nähe war, sondern die Lagune und das Meer in Cape Mount, das schönste Gebiet in Liberia hatten es ihm angetan. Aber auch das Meer vor Marshall/Firestone war sein Revier. Es konnte vorkommen, daß Plenty im Tagebau Nachtschicht hatte und daß er dann am nächsten Morgen mit seinem boy Sekou in etwa vier Stunden zum Angeln nach Cape Mount fuhr und dann nach zwei Stunden auf dem Wasser, wieder vier Stunden zur Bong zurück fuhr und pünktlich die Nachtschicht im Tagebau antrat. So etwas hatte es vorher auf der Bong noch nicht gegeben. Plenty heiratete dann nach einem Europaurlaub und wir waren alle gespannt, was mit seiner Angelei werden würde. Seine Frau kam aus Süddeutschland und war wirklich nett und sie glaubte auch am Anfang bestimmt, daß Plenty sein Leben mit ihr und dem Angeln teilen würde. Das trat natürlich nicht ein, und eines Tages kapitulierte sie vor den Fischen und kehrte nach Deutschland zurück. Plenty war wieder Junggeselle und Cape Mount wurde nun endgültig zu seiner Heimat. In seiner Junggesellenbehausung in Bong Town gab es neben seinem Bett nur Raum für Angelzubehör, Außenborder und Ersatzteile, ganz zu schweigen von Benzinvorräten in Fässern; die Sicherheitsleute, von Feuerwehr und Mine Guard waren entsetzt. Alle Verwarnungen nützten wenig, Plenty wollte von Benzinengpässen auf der Bong verschont bleiben. Einige Nachbarn taten dann in dieser Zeit auch vor Angst kein Auge zu! Plenty wurde so schnell in Liberia zur Angellegende. Sein Geld ging zum größten Teil für teueres Angel-Equipment, wie meerfeste vergoldete Seerollen von "Pen" und teuere Angelreisen bis hin in die Karibik drauf. Aber für ihn war es das Leben nach seinen Geschmack, und als er 1976 sogar in Cape Mount Ernst Jünger als Bootsführer diente, ging er auch in die Literatur ein.
Es war manchmal nicht einfach, mit Plenty in einem Boot zu sitzen, denn wenn man für eine Angelrute verantwortlich war und einen kapitalen Sailfisch nicht richtig anhakte, kam es zu einem Gewitter von Plenty. Viele Angelfans wollten dann auch später nur noch mit dem Boot mitfahren und Plenty bei der Arbeit zusehen, denn Verantwortung bei Plenty an Bord war gefürchtet, da man sehr schnell etwas unter seinen Expertenaugen falsch machen konnte! Natürlich hatte Plenty auch Stil und er hatte immer eine gut gefüllte und gekühlte Weinkiste an Bord. Kapitale Fische wurden sofort auf hoher See begossen, zum Beispiel mit einem "Oppenheimer Krötenbrunnen". Die Weinflaschen an Bord öffnete Plenty immer mit dem Zeigefinger , indem er den Korken einfach hinein drückte.
Am 21. Dezember 1980 hat dann Plenty endlich seinen "Traumfisch" vor Marshall/Firestone geangelt. Es war ein prächtiger "Blue Marlin", der mit Plenty und seinem boy Sekou 55 Min. lang schwer kämpfte und Plenty wirklich alles abverlangte. Selbst seine gewaltigen bayerischen Arme wurden immer schwächer und er sagte dann auch später, er wisse bis heute nicht mehr, wie er den 453 LBS Marlin mit Sekou in das Boot bekommen hat. Die Angelschnur hatte nur eine Reißkraft von 80 LBS, also der Kampf war immer hart am Limit und Plenty muß sich damals wie "Der alte Mann und das Meer" in der Erzählung von Ernest Hemingway vorgekommen sein, nur daß alles nicht so lange gedauert hat.
Erschöpft brachte Plenty dann den "Marlin" mit seinem Boot "Wahoo" vom Meer durch die Lagune zu dem Bong Bootsclub am Farmington River. Später wurde der Marlin mit einem Lastwagen zur Bong gefahren und in der Elektro-Werkstatt an einem Kran aufgehängt. Nach dem Staunen der ganzen Bong Community und der vielen Liberianer wurde der Marlin in Portionen zerteilt, und es gab ein Festessen!

Ernst Jünger in "SIEBZIG VERWEHT II" : Cape Mount, 30. November 1976, "Eine nackte Zehnjährige stand daneben; als ich sie wohlgefällig musterte, streckte sie die Hand aus und sagte "no watching" offenbar gehört man als Weißer nicht zur Familie.
Bad im Meer. Man sollte sich auf das Salzwasser beschränken und Stellen meiden, an denen Flüsse einmünden. Auch ist es ratsam, vor dem Bade blitzende Gegenstände wie Ringe, Ketten, Armbanduhren abzulegen; der Barracuda hält ihr Blinken für das von Beutefischen und greift an. Mit Gert und Plenty im Boot. Dazwischen Gespräche über Schwert- und Segelfische wie in einem "Headquarter for fishermen and other liars".

Weitere "Bong Originale", Camp Wasserfall

Als ich im September 1963 nach langem Flug von Düsseldorf nach Monrovia, spät in der Nacht mit einem VW-Bus von Robertsfield zur Bong fuhr, begann mein Abenteuer in Liberia. Schon als wir auf der Gangway in Robertsfield standen (ich war in einer Gruppe von neuen Mitarbeitern zur Bong gereist) und die feucht-warme, schwere Tropenluft einatmeten, merkten wir: Nun, das ist wirklich Afrika. Im Pan Am Hotel wurde noch ein Absacker getrunken, und dann ging es durch die Firestone Gummiplantage auf einer guten Asphaltstraße nach Kakata. Unterwegs nur wenige, kleine Dörfer, wo noch Feuer loderten, in Kakata dann wieder viele Lichter und noch reges Leben. Wir waren alle müde und schon längst durchgeschwitzt, als das Rattern der Lateritstraße uns wieder wach schüttelte. Die Autofenster waren jetzt meist geschlossen, bis die roten Staubwolken des Gegenverkehrs sich legten; alles bekam eine rote Staubschicht, keine Afrika-Romantik mehr, nur das Schnappen nach frischer, kühlerer Luft von draußen. Vor der Bong dann Varni Town, ein paar rote Lichter in der Nähe des Gates, wir sollten die "Hütten-Bars" erst später richtig kennen lernen. Am Ende der Reise dann Camp Wasserfall , nur von wenigen Lampen angestrahlte Holzbaracken, darin kleine Zimmer für zwei Leute, ohne Klimaanlagen und vor den offenen Fenstern Fliegendraht. Für die meisten von uns, wie zurück in die Steinzeit. Ein paar Worte zu den Mitbewohnern, die uns schon gespannt erwartet hatten. Den Koffer kurz aufgemacht, die Schranktür geöffnet, eine Lampe strahlte uns entgegen, die Wärmequelle gegen die hohe Luftfeuchtigkeit und gegen den Schimmel verbreitete. Dann doch noch zur Eingewöhnung einen Schluck des zollfreien Cognac aus dem Flugzeug. Etwas Ruhe kehrte in die Gedanken ein und schließlich trotz der warmen Tropenluft, erlösender Schlaf, wir waren bei der Bong Mine!

Im Nachfolgenden werden nun die Menschen in Camp Wasserfall beschrieben, die das Bong Abenteuer auflockerten. Mitunter sind die Zeitabläufe etwas durcheinander geraten, wie die Gedanken, die manchmal sprunghaft hin und her springen, damit später beim Aufschreiben nichts vergessen wird. Also dafür bitte Sorry!

Da war zum Beispiel ein Schweizer/Deutscher mit Namen Erwin, dem ich am nächsten Abend in der Dämmerung begegnete. Zuerst glaubte ich, es sei ein Berggeist, denn eine dürre Gestalt kam in Gummistiefeln, schlürfend den Hang im Camp herunter. Er hatte nur eine graue, große Unterhose an, die an Hosenträgern befestigt war, und darüber ein Netzunterhemd; er war wirklich ein Original der ersten Stunde. Nichts brachte ihn so schnell aus der Ruhe, er hatte nur eine panische Angst vor Schlangen, sobald es dunkel wurde und daher die Gummistiefel! Da er als Kaufmann im Office arbeitete, war er tagsüber relativ sicher vor Schlangen. Wir hatten im Camp eine romantische Messhall, wo wir unsere Mahlzeiten einnahmen und wenn Erwin manchmal morgens seine "fried eggs" nicht nach seinem Geschmack bekam, dann landeten sie im Fliegengitter vor den offenen Fenstern der Messhall und ließen einen gelben Schimmer zurück. Damals, in der ersten Zeit im Camp, gab es noch wirklich exzentrische Mitbewohner, die dann aber später in der neuen Messhall in Bong Town nicht mehr unter uns waren. Mittags gab es "shop" von Einheimischen in schwarzen Hosen und in kurzen, weißen Hemden serviert, wie in alten Kolonialzeiten. "shop" gab es sooft wie man wollte, also Nachschlag bis zum Abwinken. Wenn einer also gerne Steaks aß, der kam natürlich voll auf seine Kosten. Es war wie Luxus auf einem Schiff, wo es sonst auch keine große Abwechslung gibt. Das war aber wirklich nur in der ersten Campzeit und wurde für einige zur Gewohnheit, die sie später aber ablegen mußten, ob sie wollten oder nicht. Erwin war einer, der das natürlich nicht wollte und nachdem wir in die neue Messhall nach Bong Town umziehen mußten, nahm seine Kritik am Essen jeden Tag mehr zu. Es gab nun keine Bedienung mehr, natürlich auch kein Nachschlag mehr, keine individuellen "fried eggs" , die Wurst oft lieblos hingelegt kurz, der bekannte "Schweizer-Service" wie vorher im Camp Wasserfall fehlte besonders Erwin. Er sah sich nun seiner Lebensqualität auf der Bong von unserem neuen Personal-Chef (Phill Decker) beraubt, den Spitznamen bekam der Personal-Chef später nach einem amerikanischen Detektiv in einer Krimiserie. Als dieser eines Abends stolz Gästen aus Monrovia die neue glänzende Messhall zeigen wollte, verlor Erwin endgültig die Beherrschung und er schmiß sein volles Tablett Richtung Saalmitte! Diese Entgleisung wollte das Management nicht durchgehen lassen und Erwin verließ die Bong Richtung Monrovia, wo er sich noch einige Zeit über Wasser hielt. Erwin erlebte leider nicht mehr, wie sich auch "Phill Decker" später in Varni Town aufführte, also auch kein Vorbild.
"Phill Decker" verfaßte dann auch ein Rundschreiben mit dem Controler für die Junggesellen um deren Moral zu festigen. Unter anderem war der Liberianische Paragraph 360 aufgeführt Unterhaltung eines Bordells: "Jede Person, die ein Haus oder einen Raum unterhält, das Besuchern zu unerlaubtem geschlechtlichen Umgang oder zu liederlichen, obszönen oder ungebührlichen Zwecken dient, oder wer als Agent oder Besitzer ein Gebäude oder einen Teil eines Gebäude vermietet und Kenntnis davon hat, daß es für solche vorgesehen ist, oder wer erlaubt, daß ein Gebäude oder ein Teil davon für solche Zwecke benutzt wird, unterliegt einer Geldstrafe von 100,00 Dollar oder einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten!" dann weiter:
Paragraph 362 Verführung. "Ein Mann, der durch Verleitung, Überredung, Schmeichelei oder Täuschung eine vorher unbescholtene weibliche Person veranlaßt, ihre Keuschheit aufzugeben, gleichgültig ob sie sich der Täuschung bewußt ist oder nicht, oder durch Heiratsversprechen die Keuschheit einer unverheirateten Frau verletzt, macht sich eines strafbaren Vergehens schuldig und unterliegt einer Geldstrafe bis zu 200,00 Dollar oder einer Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr!"
Unterschrift; GM und CO.

Als Nachruf auf Erwin könnte man noch seine Liebe zu den schwarzen girls, aber oft auch zu älteren schwarzen Muttis erwähnen. Er hatte eine unglaubliche Ausdauer und lief manchmal vom Camp nach Varni Town ungefähr 6 km und kam dann fröhlich in der Nacht zurück in weiblicher Begleitung und dann dachte er auch noch, ein Schweizer braucht nicht für die Liebesdienste zu bezahlen. Bei seiner Auswahl spielte die Qualität keine große Rolle und so mußte er doch öfters das Hospital aufsuchen und trieb bald die Ärzte zur Verzweiflung, denn auch Penicillin hat seine Grenzen. Die Ärzte meinten nachträglich, daß Erwin in seiner Sturm- und Drang Periode, eine Lungenentzündung wohl kaum überlebt hätte. Noch schlimmer aber war jedesmal das Gezeter seiner "ladies" , die das Camp in Aufruhr setzten. Seine Behausung sah nach manchen weiblichen Attacken wie ein Schlachtfeld aus, er mußte dann die Steine aus seinem Bett klauben um noch etwas Schlaf zu bekommen. Eines Sonntags Morgen wurde es sogar auch für die anderen Camp-Bewohner "kritisch", als eine schwarze Lady aus seiner Bude stürmte und gellend schrie: "De man fuck me three times pay nothing! I jail the whole camp!"
Wie hieß es doch damals in der damaligen liberianischen Missionssendung von Radio ELWA aus Monrovia:
"Believe it or not, this is the life!"

In der Schwedenbaracke, in der ich damals wohnte, gab es noch einige "Oldtimer" die ich beschreiben möchte. Da war Werner, ein Elektriker, mit Vorliebe für die Russische Sprache. Jedes zweite Wort war "matschapeij" und der "Bacardi" ließ ihn alle Sorgen vergessen. Wir hatten damals unterhalb von unserer Baracke einen Zoo eingerichtet; mit Schimpansen, Antilopen und einer Boa, die aber später entwich und nie mehr gesehen wurde. Die wenigen Familien, die damals schon in Bong Town wohnten, kamen manchmal am Sonntag Vormittag in das Camp Wasserfall, um den Kindern die Tiere zu zeigen. Werner hatte aber die Angewohnheit, nach einer durchzechten Nacht von Samstag auf Sonntag, morgens vor seiner Tür am Hang splitternackt in der Hocke zu sitzen und auf die Tiere im Zoo hinunter zu stieren. Ich glaube so testete er sein Gleichgewicht.
Wenn dann einige Familien mit ihren Kindern plötzlich um die Ecke bogen, war der Schreck natürlich groß und die Kinder wurden schnell eingesammelt und es ging zurück nach Bong Town. Werner guckte dann nur erstaunt mit glasigen Augen hinterher und sagte verdrossen "matschabeij". Sein Kollege im Zimmer war der Elektriker "Bindedraht", der ein äußerst sparsames Leben, mit viel Entbehrungen, im Camp führte. Er wollte nach dem ersten Vertrag, das waren 2 Jahre, mit dem Hausbau in Süddeutschland anfangen. Werner gab ihm oft ein "Heineken" oder "Bacardi" aus und versuchte, ihn zu missionieren, um auch einmal die Freuden des Lebens zu genießen, leider vergebens. Wenn Werner wieder eine "Missi" von Varni Town brachte, verließ er immer brav das Zimmer und schlief auf der Piazza. Zwischen den beiden gab es nur einmal wirkliches Palaver; und zwar als Werner im "Suff" es nicht mehr nach draußen schaffte und in das Bett von "Bindedraht" urinierte! Danach zog der schon meist freiwillig auf die Piazza, wenn Werner wieder "schicker" aus dem town kam. Die Junggesellen führten natürlich zuerst ein meist einsames Leben. Da der Kontakt mit den "Klunten" erst einmal gewisse Überwindung kostete. Da kam Werner auf die Idee, in der "CONSTANZE" eine Kontaktanzeige zu schalten. Wir lästerten natürlich alle und sagten, darauf antwortet dir nie ein weibliches Wesen. Die Post kam immer jeden Abend mit einem VW Bus aus Monrovia. In der Palaver-Hütte wurde dann die Tasche auf der Tischtennisplatte geleert und die dürftige Post wurde von jemandem verlesen. Nach zwei Wochen kam dann auf einmal eine prallvolle Tasche und Werner bekam jede Menge Post und wir staunten alle. Sein Privileg war nun, daß er alle Briefe aufmachen durfte. Briefe, denen Bilder beigefügt waren, trug er dann stolz in seine Baracke und unterzog sie einer ersten, genauen Prüfung. Dann verteilte er die aussortierten Briefe an uns anderen, damit die Mädels, die geschrieben hatten wenigstens von uns eine Postkarte mit schönen Briefmarken als Antwort aus Liberia bekamen. Einige schrieben auch zurück, und im Urlaub wurde dann meist von vielen eine "Deutschland-Ralley" gestartet, um einige zu besuchen.
Es kamen durch die "CONSTANZE" später sogar Ehen zustande, auch Werner lernte seine liebe Frau so kennen. Er zeigte aber auch Einsatz und verschickte sogar Tonbandbriefe, auf denen er dann das Leben von Großwildjägern beschrieb und auch ohne Skrupel selbst Elefantenschreie nachmachte. Bei den Lauten aus seinem Zimmer wußten wir immer, daß Post vorbereitet wurde!

Zu Weihnachten 1963 gab es für "Nikolaus" im Camp Wasserfall "weiße" Weihnachten in Afrika! Er war damals der Jüngste im Camp und sein Chef hatte durch eine Bürgschaft erreicht, daß er trotz seiner 18 Jahre zur Bong kommen konnte. Ich wurde zuerst sein Zimmerkollege, da ich damals noch harmlos aussah und ihn zufrieden lassen sollte. Sein Vater spielte in einer Kirchengemeinde in Düsseldorf die Orgel. Besonders am Sonntagmorgen mußte ich dann "Orgelkonzerte" anhören, bis Werner von nebenan die Sperrholzwand mit dem Schlappen bearbeitete. Am Heiligabend kam "Nikolaus" nun aus Bong Town von der Feier bei seinem Chef zurück, und das Heimweh wurde jetzt größer als sonst. Er trank zwar mittlerweile auch schon Bier, und so füllten wir ihn erst einmal ab. Als er dann schon etwas volltrunken von Schnee in Deutschland sprach, holte Werner zwei Dosen Rasierschaum und wir legten "Nikolaus", der schon ziemlich unbeweglich war, in sein Bett und Werner begann langsam mit Gefühl die Dosen über ihn zu entleeren. Eine weiße Pracht entstand und nur die Nase und der Mund von "Nikolaus" blieben frei. Werner stand schaukelnd über ihm und sagte: "Matschapeij, du sollst später nicht sagen, es gäbe keine weiße Weihnachten in Afrika!"

Unser erster Arzt war ein Chirurg und er kam von der Bergstraße; mit seinem dunklen Bart sah er wirklich wie ein Pionier aus dem Kongo aus. Die erste Geburt auf der Bong führte er souverän auf dem Küchentisch des Hauses durch. Es war ein Mädchen mit Namen Astrid "Zaweah", der Zweitname nach unserem Erzberg, es soll heißen: "das Gute im Berg" und Astrid hatte damit alle Voraussetzungen um einmal etwas Großes zu werden!
Unser damals einziger Arzt auf der Bong hatte aber auch seine Eigenheiten, und als sich einmal in der Nähe des Gates ein Autounfall ereignete, durften die verletzten Schwarzen nicht mit der neuen Ambulanz zum Hospital abtransportiert werden, sondern nur mit einem LKW. Die neue Ambulanz sollte sauber bleiben!
Auch ein Europäer, der oberhalb der Sägemühle bei einem Autounfall verunglückte und dann unterhalb der Böschung im Busch verletzt lag, mußte erst von Freunden geborgen werden, denn der Chirurg wollte in der Dunkelheit, wegen der Schlangen, den Verletzten nicht vor Ort begutachten. Er erklärte, solche Gefahren würde sein Vertrag nicht abdecken.
Auch als die Junggesellen sich immer mehr in Varni Town bei den "Klunten" ansteckten, war er nicht bereit, Kondome auszugeben, er hätte schließlich keine Drogerie, erklärte er.
Ich lernte ihn dann als Rallyefahrer kennen. Als ich einmal furchtbare Nierenkoliken bekam, entschied der Chirurg als erste Therapie nicht nur jede Menge Tee, sondern auch "warmes Club Beer" zu trinken, was entsprechend treiben und die "Steinchen" fortspülen sollte. Außerdem verordnete er viel Bewegung. Da es keine Treppen in der Liegestation in dem WIII Haus gab, das direkt neben der Dispensary lag, mußte ich immer so lange vom einem Stuhl herunter springen, bis ich völlig erschöpft war; die "Steinchen" jedoch weiterhin große Schmerzen verursachten. Bevor ich dann zur Behandlung endgültig nach Deutschland geflogen werden sollte, entschied der GM dann trotz großer Bedenken, daß der einzige Arzt auf der Bong mit mir zum Röntgen nach Bomi Hill fahren sollte. Schon außerhalb des Gates drehte der Arzt mächtig das Tempo des VW hoch. Die Erschütterung auf der Lateritstraße sollte nach seiner Theorie, die "Steinchen" in meinen Nieren endgültig zum Abtreiben bewegen. Ich hatte jetzt jedoch noch mehr Angst vor einem Verkehrsunfall im Busch, ohne Aussicht auf schnelle Hilfe, als vor meinen Nierenkoliken. Hinter Monrovia auf der schmalen Lateritstraße nach Bomi Hill, wurde es dann wirklich gefährlich. Über den kleinen Flüssen gab es nur schmale Konstruktionen von Eisenbahnschwellen, auf denen der VW wie von einer Sprungschanze abhob, in die Luft flog und dann wieder auf die Lateritpiste krachte. Nun, wir kamen dann doch ohne Unfall in Bomi Hill an und beim Röntgen waren plötzlich die Nierensteine verschwunden! Nach der Angst auf der Straße ging ich auf die Toilette und ein großer "Stein" kam mit einem letzten Brennen zum Vorschein!
Der Chirurg sah ihn glücklich an und so hatte er unblutig durch sein wildes Fahren den Nierenstein entfernt. Wir fuhren dann etwas langsamer und zufrieden zur Bong zurück!

Ein Bewohner in unserer Baracke ließ uns an einem Sonntagmorgen aufschrecken. Es war einer der Kaufleute, die übrigens meistens in ihrer Freizeit verwegener aussahen mit Gewehr, Pistolen und "Caterpillar" Hut, als wir, die wirklich im Busch arbeiteten. Jedenfalls durchbrach ein Schuß die Sonntags-Ruhe und wir stürmten hinaus, und ein Mann mit rauchendem Colt kam aus seinem Zimmer, er hatte nur ein Loch in die Zimmerdecke geschossen, um eine Antenne für seinen "Grundig Ocean Boy" Weltempfänger zu legen. Später wurde er Repräsentant einer bekannten Schweizer Pharma Firma.
"Atze" nannte alle Kinder und Frauen später im Bong Schwimmbad "Purzel". Während der Camp Wasserfall Zeiten fuhr er einen "Heinkel" Motorroller und sogar bis zur Bade-Baracke, meist in spärlicher Bekleidung. Er kam manchmal auch nachts in weiblicher Begleitung aus Varni Town und soll dann auch zuerst zum Duschen gefahren sein. Die Sauberkeit ging immer vor. Manchmal, wenn das Duschwasser mal wieder versiegte, raste er in Badehose auf seinem Roller mit Schaum am ganzen Körper und in Badelatschen nach Bong Town und duschte dort irgendwo zu Ende. Es sah dann jedesmal wie "die wilde Jagd" aus, und die Liberianer rannten in Panik von der Straße in die Büsche.
Wir hatten in der ersten Zeit zwei Büssing-Busse von den Verkehrsbetrieben in Düsseldorf als Geschenk bekommen. Darauf stand: "NONSTOP-DIENST KÖLN-NEW YORK" und wir fuhren damit immer zum ersten Club nach Bong Town, damit außer dem Fahrer alle kräftig trinken konnten. Später ging es auch vom Gate Camp Wasserfall zur neuen Messhall zum Essen. "Atze" hatte einmal im Camp seinen Motorroller hinter einem Büssing-Bus geparkt, und als dieser zurück setzte, gab es Totalschaden. "Atze" war natürlich sauer und mußte dann auch noch monatelang auf Ersatzteile warten. Die Büssing-Busse wurden aber bald aus Mangel an Ersatzteilen stillgelegt und fanden ihre letzte Ruhe im Klärteich!

Auch Tausende von leeren Bierflaschen liegen heute noch im Klärteich. Ein Steinhaus lag oberhalb der Badebaracke am Hang zum Klärteich. Dort zu wohnen war ein Privileg, von der Piazza konnte man die leeren Flaschen sofort über den Hang in den Klärteich werfen.

1982 hat die damalige Schulklasse 4 der Bong Town Schule eine Dokumentation unter dem Namen: "Wie es früher auf der Bong war" geschrieben. Darin steht unter anderem: "Die Männer warfen früher im Camp immer die leeren Bierflaschen den Hang zum Klärteich herunter. Dort müßte ein riesiger Flaschenberg im Busch versteckt sein. Vielleicht wird er in zwei- oder dreihundert Jahren mal von Forschern entdeckt. Die werden sich dann den Kopf zerbrechen, welcher merkwürdige Stamm hier wohl mal gelebt hat!"

Nun wieder einmal ein Sprung, bevor ich es vergesse, zurück in das Jahr 1963 und deren Bewohner im Camp. Es gab da einen Autoelektriker, der mit seinem DKW-Jeep immer halsbrecherisch durch das Camp schoß. Er war auch kein Mann von Traurigkeit und gegen Malaria nahm er lieber Alkohol als "Resochin". Besonders an den Wochenden packte ihn die Wut und er schoß in der Dämmerung mit seinem Gewehr Salven in die Luft. Zum Glück wohnte er am Buschrand, und so pfiffen die Kugeln nur durch die Baumkronen in die Nacht, aber die Nachbarn gingen aus Sicherheit doch meist in Deckung. Dann fing er an, seine wenigen Möbel den Hang hinunter zu schmeißen. Von dem Campmaster gab es also bald für ihn keinen Schrank und Stuhl mehr, in seinem Raum war dann nur noch das Stahlbett und an der Wand hingen an Nägeln seine Sachen. Erst dann hörte er auf zu randalieren, es war wohl der bekannte Tropenkoller!

In dem privilegiertem Steinhaus wohnte auch ein Pionier der ersten Stunde, er bekam später den Namen "Flumo" und er wurde in einem Porträt in der "COCONUT" von Peter herrlich beschrieben. (NR. 4, März 1979) Es hieß darin: "Eines Tages hatte er bei BMC eine spezifische Explorationsaufgabe auf dem Hilltop zu erledigen und nachdem er mit 20 Helfern mehrere Stunden ziellos umhergewandert war, bekam er von diesen den Namen, der in der Übersetzung aus der Landessprache "der Edle" heißt : "Flumo"
Nun in der Chronik müßte man festhalten, wenn "Flumo" so richtig in den ersten Tagen getankt hatte und fern von allem Guten und Bösen war, dann berichten verläßliche Leute von damals, soll er auf der Piazza des Steinhauses einem Hund mit Namen "Flumo", einem Mischling, hinterher gekrochen sein und das soll ihm dann den Namen "Flumo" eingebracht haben. Also von wegen "der Edle"!
In dieses Haus zog dann 1964 unser Personalchef (Phill Decker), der einmal wie der Detektiv mit einem Feldstecher vom Busch aus die schwarzen Fahrer der Bereitschaft beobachtet hat und sie der "Zockerei" im Dienst überführen wollte, was ihm natürlich nicht gelang, aber ihm immerhin seinen Spitznamen einbrachte!
Einmal zum Jahresende im alten Club Bong Town, waren wir alle aus dem Camp Wasserfall versammelt. Die meisten kamen mit dem Büssing-Bus, es waren aber auch ein MAN-Truck und einige privaten Autos da, darunter auch ein Ami-Chevy, in rosa wie aus Hollywood , den ein Original aus dem Steinbruch in Monrovia gekauft hatte. Gegen morgen ging es dann volltrunken Richtung Camp Wasserfall und an der Eisenbahnkreuzung war neben der Autoüberfahrt ein Waschplatz für die Trucks. Im Scheinwerferlicht sah jemand zufällig im roten Schlamm einen grauen PEUGEOT 404, um den zwei rote Gestalten im Schlamm herumwühlten, sie wollten scheinbar ihr Auto wieder flott machen. Nun es waren "Flumo" und "Phill Decker" voll des Bieres, die immer wieder in dem Schlamm untergingen. Wir holten sie trotz Protest aus dem Schlamm und schleppten ihr Auto mit dem MAN-Truck ins Camp. Auf der Piazza in dem Haus am Hang zum Klärteich, wurden sie erst einmal vom roten Lateritschlamm abgespritzt und dann in die Falle verfrachtet.

Etwas besonderes war immer unter Flutlicht die "Fußballwoche" auf dem kleinen Platz und dann ging es immer hoch her. Hier entstanden "die blauen Reiter": dabei wurden die Stühle im Club herumgedreht und dann hopsten etwa 40 Leute unter höllischem Lärm durch den Club, manchmal auch unter Führung unseres Techn. Managers. Es wurden dann Lieder der übelsten Sorte gesungen wie: "wir wollen nicht nur Amboß sein, wir wollen auch mal Hammer sein" oder "schnell, schnell, jetzt gehen wir ins Bordell, bevor die Preise steigen, wollen wir noch einen geigen". Das erlebten einmal zufällig beim Betreten des Clubs drei Junggesellinnen aus dem "Schraubenlager", die sofort beleidigt hinaus stürmten, obwohl sie gar nicht gemeint waren, sondern die "girls" aus Varni Town!

Schön war auch die Story von einem immer etwas abwesenden Automechaniker. Wir hatten damals nach den Büssing Bussen, neue "Blue-Bird" Busse zum Transport nach Bong Town, die zusätzlich hinten auch noch eine Tür hatten. Es gab auf der Fahrt nach Bong Town noch andere Haltepunkte, und der Automechaniker hatte seine Station vergessen. Plötzlich, als ihm das klar wurde, rannte er nach hinten, und bevor jemand ihn halten konnte sprang er auf die Straße. Er überschlug sich ein paar mal und hat sich zum Glück nichts gebrochen.
Zu der Zeit war im Warehouse auch im Nebenberuf ein Wertpapier-Spezialist mit Namen "Berlin", der so reden konnte wie ein Verkäufer von Bernie Cornfeld mit dem legendären IOS-Fond. Übrigens hat IOS auch auf der Bong viele Opfer gefunden, die in der ersten Zeit stolz ihre schwarzen Anlagemappen herumtrugen! Später mußte sich der IOS-Manager der Bong schnell nach Monrovia absetzen und sich an der Beach verstecken.
Nun, "Berlin" hatte mit IOS nichts zu tun, sondern machte für eine kleine Gruppe auf der BMC, wie auch für den Automechaniker, Aktien- und Warentermin-Geschäfte, z.B. Waggonladungen von Sojabohnen aus den Staaten. Er fuhr dann immer nach Monrovia zur Telekommunikation und wartete stundenlang auf eine Telefonverbindung in die Staaten. Nun, diese Anlagegruppe verschwand dann auch wieder von der Bong, keiner wollte mehr neues Kapital nach einigen Pleiten nachschießen!

Auch unsere Spezialisten auf der Bong waren nicht ohne Fehl und Tadel, obwohl sie manchmal doch sehr von sich eingebildet waren. Es gab da einen Bundesbahnrat und einen promovierten Maschinen-Ingenieur, die beide unbedingt selbst eine Lok bei der Überführung von Monrovia zur Bong fahren wollten. Auf der Bong dann angekommen, entwickelte sich in der Lok-Werkstatt am Abend ein hektisches Treiben. Es gab damals noch keine Mittagsschicht und so bekamen die Aktion nur wenige Eingeweihte mit. Zwei der vier Loks wurden hochgehoben und die Fahrgestelle entfernt und dann schnell durch neue Reserve-Fahrgestelle ersetzt, die zum Glück vorhanden waren. Unsere zwei Spezialisten waren mit angezogener Handbremse zur Bong gefahren und die Radreifen waren dabei blau angelaufen und mußten ersetzt werden. Später wurden dann die beschädigten Spurkränze neu abgedreht. Aber jetzt eilte die Zeit, das Management wollte ja am Morgen die neuen Loks sehen. Ich weiß nicht, ob später das "small accident" gebeichtet wurde?

Ein weiterer Spezialist war "Opa Loos", acting Mechanical Superindentent. Der konnte neben seinen "Versuchen", eine bahnbrechende Erfindung präsentieren, die die Bong vor manchem Stillstand verschonte! Es haute zuerst mit der Schmierung am Vorbrecher nicht hin. Es gab einen bedrohlichen Pfannenverschleiß durch "Fresser". "Opa Loos" kam auf die tolle Idee, die Pfannen mit Hartholz auszukleiden. Das Hartholz wurde auf Maß gedreht (das besorgte "Schmiergel") und dann wurde das Hartholz unter Druck mit heißem Öl getränkt. Das Holz wurde dann später in die Pfanne hinein geschlagen und siehe da, es gab keine "Fresser" mehr! Obwohl später das Problem mit den "Fressern" auch eleganter gelöst worden war, blieb dennoch jahrelang eine Pfanne mit Hartholz im Warehouse als Standby!
Aber es gab auch noch andere Ideen, die "Opa Loos" allerdings nicht verwirklichen konnte. Da war die Idee beim Bong-Security zu sparen und Schäferhunde aus Deutschland einzusetzen, die an einer Leine verbunden, an einem Zaun um Bong Town laufen sollten, um so die vielen Diebstähle zu verhindern. Das klappte natürlich nicht, denn die Liberianer hatten hier schon vor der Bong alte Fußwege , die zu ihren Dörfern führten. Auch die Grünflächen von Bong Town sind nie von Kühen, die auch Milch und Fleisch liefern sollten, abgegrast worden. Man brauchte weiterhin die Rasenmäher. Auch die Grader konnten nicht reduziert werden, eine Konstruktion von einem Rechen, den ein MAN-Truck ziehen sollte, kam über das Versuchsstadium nicht hinaus. Auch konnten Elektrokabel mit Fangleinen nicht von einem Bogen über die Elektromaste geschossen werden, um die Gefahr von Unfällen bei der Montage zu senken. Aber der Mann hatte wirklich tolle Ideen!

Das Aufschreiben der Stories über die "Bong Originale" ist nun doch besser gelungen, als nach all den Jahren zu erwarten war. Ich hätte mehr "Input" von "Oldtimern" gewünscht, aber es war schwer, sie zu motivieren, außer "Bellerchen". Es sollte aber auch kein dickes Buch daraus werden. Ich finde, diese Sammlung von "Spotlights" ist ganz kurzweilig zu lesen. Vielleicht gibt es sogar einmal eine Fortsetzung. Maybe, you never know!

Zum Schluß noch zu zwei Freunden aus meiner direkten Nähe bei BMC, sie waren auch zum guten Schluß meine Trauzeugen, aber davon ist hier nicht die Rede.
Da war zunächst "Big Wilhelm", der sich vor den Bongzeiten als Monteur "Unter Tage" im Ruhrgebiet mit "Leihpersonal" durch Verlegung von Wasserleitungen sein Geld verdiente und er wurde später dann unser "Schweißfachmann" auf der Bong. Er soll auch Presbyter im Ruhrgebiet gewesen sein, als er einige "schwarze Seelen" nach "Unter Tage" anheuerte! Er kam damals zur Bong und konnte tatsächlich kein Auto fahren; böse Leute behaupten, auch heute noch nicht so richtig. Aber nach den Bong-Unfällen - so schwört er habe er später weder in Nigeria noch in Libyen oder in Deutschland wieder einen Unfall verursacht. In der alten "Wuppermann-Halle" der ersten Werkstatt und später VTC, mußte damals ein Forklift zur Seite gefahren werden und zuerst wollte "Big Wilhelm", das auch nicht tun, aber nachdem alle auf ihn eingeredet hatten, das könne nun wirklich jedes Kind, nahm er sich zusammen. Aber er wußte nicht, daß beim Forklift die Lenkung anders reagiert. Später erklärte er mir, die Lenkung wirke genau entgegengesetzt der Lenkung beim Autofahren. Wie dem auch sei: er landete damals unter großem Hallo im Entwässerungsgraben! Darauf bekam er von "Atze" Fahrunterricht auf einem MAN-Kipper, um auch für schwierige Aufgaben gerüstet zu sein. Kurz darauf fuhr er einen neuen Willys Jeep zu Schrott, aber da soll ihm ein LKW auf seiner Spur entgegen gekommen. sein Auch auf der Kakata-Straße, auf der Fahrt zum Bootsclub nach Snaifu, verunglückte er mit seinem VW auf der frisch gegräderten Lateritstraße. "Big Wilhelm" und Hans, sein Beifahrer fanden sich plötzlich unter Bananen-Stauden wieder, und eine Vermessungsausrüstung an Bord, für den Ausbau des Bootsclubs Snaifu lag im Busch zerstreut. Aber außer Schürfwunden ist den beiden zum Glück nichts passiert. Auf der Bong war "Big Wilhelm" bekannt für seinen "Weinpudding", die Zubereitung hat er nie verraten. Aber ein Karton mit Wein wird schon darin gewesen sein. Dann kam sogar sein Chef "Bernhard" vorbei und versetzte seinen Freund, den "Kongo-Müller"! Wenn der "Weinpudding" abgekühlt war, wurde er einfach auf die Tischplatte gestürzt und das Essen ging unter "Hallo" los. Unübertroffen war auch am Sonntagmorgen der "Hawaii-Toast" mit einem kleinen Steak!
"Big Wilhelm" war einer der erstaunlichsten Tennisspieler auf der Bong, seine gezogene Rückhand kam wie der Blitz und schlug ein, wenn sie kam, wie eine Bombe! Er hätte die Top- Rangliste ohne Mühe aufrollen können, wenn er nur eine bessere Kondition gehabt hätte. Er konnte seine Kraft nicht auf zwei oder drei Sätze verteilen. Nachdem er uns im ersten Satz oft "gepinnt" hatte, konnte uns nur noch eine sinnvolle Verteidigung helfen und das war der Einsatz von Stoppbällen. Irgendwann sagt er dann meist genervt: "Jungs, habt ihr das wirklich nötig!" Wilhelm, es war damals wirklich nötig. Gefürchtet waren auch seine Wutanfälle, wenn es nicht so lief wie er wollte. Dann landete mancher "Maxplay", "Wilson" und "Head" im Maschendraht!
Ich bekam meinen Spitznamen "Tiger" bei dem Tennis auf der Bong. Es war ein Schlag, den es nicht im Lehrbuch gab, etwas seitlich in Kopfhöhe, und sollte zuerst auch ein Lob werden! Daraus wurde aber, wie die anderen Tennisspieler erklärten, der "Prankenschlag" eines Tigers. Wenn ich traf, hatte der Schlag ungeheuerliche Wirkung, aber die Ausbeute war manchmal doch nicht berauschend. Ich war auch der 1. Tenniswart auf der Bong und führte schon am Anfang eine Spieltafel ein, auf der sich jeder vor dem Spiel eintragen sollte. Aber schon damals wurde geschummelt und die Namen gelöscht und andere eingetragen. Ich hatte in Deutschland vorher schon etwas Tennis gespielt, und so gab ich mit anderen für die "Anfänger" Trainingsstunden. Leider überholten mich dann später viele Schüler beim Tennis und in der Rangliste. Übrigens, die damals schon vorhandenen guten Tennisspieler, versteckten sich zunächst auf der Bong, wir waren denen nicht gut genug!
Nach vielen Jahren habe ich dann auf einer Bergbau-Ausstellung in Düsseldorf, als ich mit einem Kollegen in einer Pause Kaffee trank, hinter mir plötzlich den Schrei "Tiger" gehört, alles drehte sich um: es war Dieter aus alten Bongzeiten, der auch die Ausstellung besuchte. Es gab ein großes Palaver, bis mein Bekannter die Zusammenhänge verstand.
Neben "Big Wilhelm" und "Tiger" war der Dritte im Bunde "Hans der Söldner" aus Köln. Er kam von der E+B aus Düsseldorf und half uns im "Surveying" aus. Er hatte sich vorher in Deutschland eine Army-Kluft mit Käppi besorgt und sah mit seinen schwarzen, kruseligen Haaren wie ein Söldner aus Kuba aus und er rauchte auch mit mir Havanna Zigarren! Ich hatte am Anfang wirklich Schwierigkeiten, ihm Messgehilfen zuzuteilen, da die Liberianer schon immer vor "Söldnern" Angst hatten und "Hans" kam ihnen wie einer vor. Aber er konnte bei der Arbeit im Busch, wie zum Beispiel später in Putu, einer neuen Erz Lagerstätte im Osten Liberias, sagenhafte Leistungen aus den Liberianern herausholen, Wenn er mit seinem grünen Drillich-Zeug und Käppi und seinem schwarzen Bart durch die Trails stürmte, konnte ihn keiner mehr aufhalten. Damals konnte "Hans" in Putu locker eine Antilopen- Keule alleine verzehren und dazu eine Schüssel voll Reis. Der "Country Pepper" und das "Club Beer" trieben ihm zwar bei dem Festmahl den Schweiß auf die Stirn, aber das machte ihm alles nicht aus.
Nur der Charme eines Bong Mädchens hat ihn später trotz Schwierigkeiten gebändigt. Damals zu Karneval auf der Bong sagte Hans im Office, "dieses Jahr könnt ihr mal sehen wie ein Kölner feiert!" Es ging am Samstag im Club los und gegen morgen war noch immer ein harter Kern am "Tresen". Ich konnte schon lange nicht mehr und schlich in meine Junggesellen Behausung. Am nächsten Tag gegen Mittag war ich wieder im Club und Hans saß noch immer als "Fidel Castro" mit Zigarre am Tresen. Er unterhielt schon wieder die anwesenden Leute, machte dann wieder seine Runde im Clubgelände und schaute beim Tennisspielen zu und gab gute Ratschläge. Dann kam er wieder auf die Club-Piazza und stemmte ein paar "Club Beer! Das ging den ganzen Sonntag so weiter und Hans war immer im Club, keiner wußte genau, wann er schlief, und die ersten Wetten wurden bereits abgeschlossen, wie lange Hans das durchhalten würde. Rosenmontag im Club, Hans in seiner "Söldnerkluft" mit Zigarre im Mund und noch immer ununterbrochen im Einsatz. Er ging zwischendurch zum Tennisplatz und gab dem Tennislehrer wieder gute Ratschläge. Die Hausfrauen vor Ort hatten ihren Spaß beim Tennis und machten immer wieder ein paar Tennisschläge zur Abwechslung mit ihm. Hans hatte jetzt immer ein seliges Lächeln auf dem Gesicht und kämpfte weiter tapfer gegen Müdigkeit und Alkohol. Keiner konnte ihn bewegen, eine Pause einzulegen. Am Dienstagmorgen fuhr ich dann mit dem Pickup vom Office zum Club und nahm den "seligen" Hans nach langem Palaver mit ins Head-Office, dort trank er eine Coca Cola und schlummerte dann doch sanft an seinem Schreibtisch ein. Mit einer Eskorte von boys fuhr ich ihn dann zu seiner Behausung, und wir legten ihn vorsichtig in sein Bett. Hans hatte alle Wetten auf der Bong gewonnen, niemand konnte danach mehr an seine Leistung zu Karneval heran kommen!

So, das waren ein paar Erinnerungen an "Bong-Originale". Ich glaube ohne große Übertreibung, wenn auch manche die Ereignisse etwas anders in Erinnerung haben, aber das spielt keine Rolle, es war einmalig mit euch allen auf der Bong.
"Werner", dich gibt es heute leider nicht mehr , keiner schreit mehr so mit Gefühl beim Trinken "Savaroschkin", aber du wirst dich bestimmt da oben freuen, wenn wir in stillen Stunden einen "Bacardi-Coke" auf dein Wohl trinken! Aber auch auf die anderen, die leider nicht mehr unter uns weilen!

Wie war das noch einmal in der Missionssendung von Radio ELWA aus Monrovia:

"BELIEVE IT OR NOT, THIS IS THE LIFE!"