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Bong Town, 08. August 1990          

Von: Thomas Greve                   Download a .txt-File.

Zum Beginn meines Berichtes über die Ereignisse auf der Bong möchte ich kurz auf beteiligten Personen, Stämme und die Geschichte Liberias eingehen.
Da ist zuerst einmal ein Mann namens Charles Taylor, der sich als Führer der National Patriotic Front (NPF) vortsellt. Von Ihm weiß man, daß er 1984 dem liberianischen Staat Geld unterschlagen haben soll, sich dann nach Amerika absetzte und auch dort mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Durch Zahlung einer Kaution konnte er sich der Justiz entziehen.

Am 12.04.1980 kam die große Stunde des Samuel K. Doe. Durch einen Militärputsch gegen die damalige Regierung Tolberts brachte er sich an die Macht und versprach dem Volk freie Wahlen. Im Oktober 1985 (5 Jahre später) war es dann endlich soweit, die versprochenen Wahlen finden statt. Oppositionsparteien wurden schon im Vorfeld der Wahlen verboten. Gezielte Wahlmanipulationen taten ein übriges und Samuel K. Doe wurde zum großen Wahlsieger erklärt.

Im November 1985 startete der Doe Widersacher General Thomas Quiwongkpa einen Putschversuch, der aber niedergeschlagen wurde. Blutige Repressalien gegen die damalige Opposition waren die Folge.

Seit Anfang dieses Jahres, um genau zu sein, seit dem 24.12.1989 ist eine Gruppe von "Freiheits Kämpfern" in den Osten des Landes eingedrungen. Unter der Führung von Charles Taylor haben sich die Rebellen vom Nimba District bis zur Hauptstadt Monrovia vorgekämpft.

Es ist zu langwierig, die ganze Entstehungsgeschichte des Bürgerkrieges zu verfolgen, aber es sollte nicht der Eindruck entstehen, daß es sich hier nur um einen aus politischen Gründen geführten Krieg handelt. Die Ursprünge liegen in den 1985, von Präsident Samuel K. Doe veranlassten Massakern in Nimba County. Doe hatte seinerzeit ganze Dörfer und Siedlungen der dort ansässigen Gios und Manos, als Antwort auf den mißglückten Putschversuch des General Thomas Quiwonkpa, von seinen Regierungstruppen vernichten lassen. (Es wurde von mehreren hundert Toten gesprochen, einige Berichte sprachen von tausenden).

Aus diesen Stammesgebieten bezieht die National Patriotic Front Charles Taylor´s den größten Teil ihrer Anhänger. Auf ihrem Weg zur Hauptstadt Monrovia mordeten die Truppen jeden Krahn und Mandingo, der es nicht mehr schaffte, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Den Mandingos, die im Gegensatz zu den Krahn nicht zu dem "Präsidentenstamm (Krahn)" gehöhren wird vorgeworfen, den Putschversuch von 1985 verraten zu haben.

Die Zahl der Toten und Flüchtlinge ist bis heute nicht zu übersehen.

Es ist uns bewußt geworden, das nicht Liberianer Liberianer töten, sondern das sich Manos und Gios in einen Stammeskrieg gegen die Krahn und Mandingos befinden.

Wir "Bongler" waren lange nicht von den Unruhen im Lande betroffen und hofften auf ein baldiges Ende des Konfliktes. Nach und nach wurde uns bewußt, daß wir uns in einem "Civil War" befanden. Die Deutsche Botschaft forderte uns auf, das Land zu verlassen, da sie die Sicherheit der Bundesbürger nicht mehr garantieren konnte. Botschaften anderer Länder schlossen sich der Aufforderung an und empfahlen ihren Landsleuten das Land zu verlassen. Die amerikanische Botschaft evakuierte ihre Bürger [Operation Sharp Edge], andere folgten. Mitarbeiter der Bong sandten ihre Frauen und Kinder vorsorglich nach Hause. trotz erneuter, eindringlicher Warnung der Deutschen Botschaft das Land zu verlassen, sahen die Angestellten der Bong noch keinen zwingenden Grund, auch das land zu verlassen. Es sei auch bemerkt, daß viele der hier arbeitenden Angestellten, Aufgrund ihrer langen Firmenzugehörigkeit (manche über 20 Jahre), die Bong als ihr Zuhause betrachteten und Haus und Hof nicht so einfach im Stich lassen wollen.

Am 26.05.1990 sollte sich aber alles noch einmal ändern, was viele bis jetzt nicht glauben wollten traf doch ein. Die Rebellen besetzten Kakata und nahmen uns damit die einzige Zufahrtsstraße zur Bong. Auch die Eisenbahn war von Regierungstruppen lahmgelegt worden, da diese eine Bedrohung durch Truppentransporte der Rebellen in die Hauptstadt Monrovia darstellte.
Von der Außenwelt abgeschlossen, war nun guter Rat teuer. Die noch vorhandenen Vorräte mußten geprüft werden, wie soll es weitergehen, ist das das Ende der Bong Mining Company? Wie lange können wir es ohne Nachschub durchhalten? Es gab plötzlich so viele Fragen und so wenig Antworten. Dem Management rauchten die Köpfe und auch die größten Optimisten machten sich langsam Sorgen. Dabei hatten wir auf der Bong noch gar keinen Rebellen gesehen. Unsere Konzentrat und Pellet Halden wurden immer höher, so daß die Produktion am 31.05.1990 vollständig eingestellt werden mußte.

Die Stimmung der Mitarbeiter sank weiter, da ein Ausweg aus unserer Lage nicht in sicht war. Die Gewissheit, wo wo denn nun die Rebellen sind, oder ob sie zur Bong kommen oder in Kakata bleiben würden, wurde uns schlagartig am 06.06.1990 vormittags genommen. In einer "Wild West" Aktion wurden die Zufahrtsstraßen des Betriebsgeländes, Bong Town´s und die Hauptverwaltung (Head Office) besetzt. Die mit leichten Maschinengewehren, Pistolen, Messern und einer Panzerfaust bewaffneten Kämpfer trieben die Angestellten aus ihren Büros und liessen sie sich vor dem Hauptgebäde in einer Reihe aufstellen. Die afrikanischen Angestellten mußten mit erhobenen Händen Afstellung nehmen, wohingegen die europäischen Angestellten nicht dazu aufgefordert wurden. Es wurde die deutschen und italienische Flagge von den Freiheitskämpfern eingeholt. der Anführer sprach mit der Geschäftsleitung und nach einenhalb Stunden, in denen sich die Kämpfer nicht scheuten Uhren, Ringe, Ketten und andere Wertgegenstände von ihren Gefangenen zu stehlen, war die Aktion Head Office und alle Anwesenden konnten ihrer Wege gehen. Viele der Anwesenden fühlten sich ihres Lebens bedroht und gingen mit dem Gefühl der Angst und der Ungewissheit.

Nun sollte das wohl traurigste Kapitel der Geschichte Bong Mine´s beginnen.
Mit dem Einzug der Freiheitskämpfer zog Tod, Plünderung, Gewalt, Angst und Schrecken in unsere sonst doch immer so friedliche Gemeinschaft ein. Nichts war mehr so wie früher. Die immer mehr werdenden Freiheitskämpfer trieben Mandingos und Krahn in die Flucht und töteten alle, die ihnen nicht rechtzeitig entkommen konnten. Es wurden keine Unterschiede gemacht zwischen Frauen, Kindern und Männern. das Eigentum der gejagten teilten sich die Freiheitskämpfer untereinander auf, ihre Häser wurden geplündert und teilweise zerstört. Den Europäern wurden unter Androhung von Waffengewalt Bargeld, Autos, Motorräder und andere Gegenstände abgepresst.

Den Mitarbeitern wurde es von nun an freigestellt, weiterhin zur Arbeit zu gehen oder zu Hause zu bleiben. das nach dem Umsturz im April 1980 von GSG-9 Leuten erstellte Notprogramm kam nun teilweise zum Tragen. Bereits Anfang Mai hatten die, durch die Besorgniserregenden Briefe der Deutschen Botschaft ausgelösten Meetings stattgefunden.
Echtes Krisenmanagement war jetzt gefragt. Viele der vorher durchdachten Möglichkeiten kamen nun nicht mehr in Frage und auch von der Überlegung des schrittweisen Rückzuges, über den Kart Club zum Bong Mine Airfield, wurde Abstand genommen. Es sollte eine sofortige Evakuierung aller europäischen Mitarbeiter erfolgen. Durch den im Notprogramm festgelegten Benachrichtigungsplan wurden wir auf dem neusten Stand der Entwicklung gehalten. Über die Hügelleiter wurden die Informationen der Zentrale in die einzelnen Haushalte getragen und auch umgekehrt lief die Kommunikation über Telefon und Funk reibungslos. Die im General Managerhaus eingerichtete Zentrale hatte allerhand zu tun und war nun 24 Stunden lang besetzt.

Telephonverbindungen zur Deutschen Botschaft und zu unserer Geschäftsleitung nach Düsseldorf waren einsatzbereit und somit konnten die ersten Schritte zur Evakuierung eingeleitet werden.
Bereits in vorher geführten Gesprächen wurde der Gedanke, die Förderstraße in der Mine als Landebahn zu benutzen, wieder aufgefasst. Nach Rücksprache mit Mitgliedern des Aero Clubs fiel die Entscheidung zu Gunsten der Förderstraße. Es waren noch einige Erdbewegungsarbeiten notwendig, um die volle Länge der Landebahn ausnutzen zu können, die uns aber keine Problem bereiten sollten. Unter Ausnutzung aller uns zur Verfügung stehender Verbindungen wurden Fragen wie Landerechte, Starterlaubnis, Weitertransport von Freetown und so weiter geklärt.
Am 12. Juni 1990 waren nun alle Punkte geklärt und die Evakuierung der Bongler konnte beginnen.
Mit Panzerfaust, Maschinengewehren und einer Luftabwehrwaffe wurde die Landebahn von den Käpfern der NPF gesichert. Das Wetter klärte sich auf und eine direkte Funkverbindung zum Piloten der Maschine bestand. Trotz der guten äußeren Umstände waren die Nerven aller beteiligten bis auf das äußerste gespannt. Über die vorgeschriebene Route fuhren nun die dem ersten Flug zugeteilten Personen zur Landebahn. Bei Ankunft der ersten Fahrzeuge wurden diese von der dortigen Wachmannschaft bedroht. Die gereizte Situation klärte sich erst als unser Technical Manager (Schneider) in Begleitung des leitenden Kommandeurs eintraf und nochmals die jetzige Lage erklärte. Noch eine weitere halbe Stunde sollte es dauern, bis die Wartenden die ersten Flugzeugmotoren Geräusche warnahmen. Das von uns bereitgestellte Bodenpersonal stand weiterhin mit dem Piloten im Funkkontakt. Nach zweimaligem Überflug setzte die Transall der Bundesdeutschen Luftwaffe zur Landung an.
Nach Ausrollen und Wenden der maschine senkte sich langsam die Heckklappe der Maschine. Die Sechsköpfige Besatzung erschien deutlich unbewaffnet auf der sich noch immer senkenden Heckklappe.
Nach erfolgter Begrüßung durch den Kommandanten der Flugplatzmannschaft, forderte der ihn auf das Flugzeug nach versteckten Waffen hin durchsuchen zu dürfen. Unter der Bedingung das auch er seine Waffen ablegen sollte, wurde der Durchsuchung zugestimmt. Maschinenpistole, Handgranate und selbst das Messer wurden abgelegt und der Durchsuchung des Flugzeuges stand nun nichts mehr im Wege. Der sichtlich beruhigte Rebellenführer gab nun die Erlaubnis zum Boarding. Unter Ausrufen der Namen konnten die Betreffenden Personen vortreten und das Flugzeug besteigen. Nach einer gründlichen Inspektion der Landebahn durch den Kapitän des Flugzeuges konnte die erste Maschine auf die Reise gehen. Selbst für einen erfahrenen Piloten ist ein Starten und Landen unter solchen Umständen ein großes Wagnis.
Aufgrund des guten Zustandes der Start- und Landebahn meldete der Pilot, daß er in der Lage sei, bei seinem zweiten Anflug zirka achtzig Personen mitnehmen zu können. Der Flugbelegungsplan wurde aufgrund der neuen Fakten geändert. Jetzt waren nur noch zwei zusätzliche Flüge notwendig, um die Evakuierung durchzuführen. Nach zweieinhalb Stunden landete die Maschine ein zweites Mal, um die schon wartenden aufzunehmen. Ohne weitere Zwischenfälle flog sie dann in Richtung Free Town davon. Der dritte und letzte Anflug erfolgte gegen 15 Uhr. Mitarbeiter anderer Firmen und eine kleine Gruppe Kinder amerikanischer Nationalität nahmen diese vorerst letzte Möglichkeit wahr, Bong Town zu verlassen.
Nach veraschiedung der Zurückbleibenden betrat nun auch der General Manager der Bong Mining Company das Flugzeug und die Heckklappe schloß sich. Bevor der Kapitän nun zum letzten Mal startete, fragte er die Anwesenden ob sie wirklich diese letzte Möglichkeit nicht nutzen wollten.
Keiner der Anwesenden nahm diese letzte Möglichkeit wahr und dem dritten und letzten Start stand nun nichts mehr im Wege. Nochmals im Tiefflug über unsere Landebahn fliegend verschwand er mit den Tragflächen winkend in den Wolken.
Die nunmehr 32 Personen starke Truppe von Expatriates hatte nun die Aufgabe, die laufenden (Kraftwerk und Wasserhaus) sowie die stehenden Betriebe (Mine, Pellet und Concentrator) zu betreiben oder Stillstandswartungsarbeiten durchzuführen. Heute, am 13. Juni 1990 hatten wir bereits den achtzehnten Tag keinen Eisenbahnbetrieb und den achten Tag keine Produktion.
Die "Übriggebliebenen" organisierten sich recht gut. Es wurden Wohngemeinschaften gebildet, ein neues Telephonbuch angelegt und möglichst alle Personen mit Funk ausgestattet. Obwohl es für jeden sicherlich keine leichte Entscheidung war zu bleiben, hatten wir doch recht viel Zuversicht.
Am Donnerstag, den 14. Juni 1990, folgte eine erste Besprechung aller im Büro des Technical Managers. Wir wurden über die momentane Lage infromiert und unser Arzt ergriff die Gelegenheit, uns noch einige Ratschläge zur Vermeidung von Unfällen und Krankheiten zu erteilen. Danach erfolgte eine Einteilung der Mitarbeiter auf die zu betreuenden Anlagen.
Die nächsten Tage waren die tage der Service Station. Trotz verstärkter Besatzung hatten die Mechaniker alle Hände voll zu tun, denn es schien als müßte jeder Freiheitskäpfer ein BMC Auto besitzen. der Benzinverbrauch erreichte Rekordzahlen. Immer wieder neue Kommandeure und Battle Field Commander forderten für sich und ihre Truppe Autos, Benzin und was sonst noch zu holen war. Wilde Gestalten mit verwegenen Namen wie Rambo, Dead Body Bone, Dragon from Kakata, Man Killer, Bush Cow und Killer Pussy, liefen mit Perücken, Hüten und anderen Gegenständen geschmückt durch die Service Station und verlangten sofortige Reparatur ihres Autos oder gleich ein neues. Die Mannschaft der Service Station mußte schon gute Nerven haben um diese, sie ständig mit Berettas, Kalschnikovs und anderen Waffen bedrohenden Horden einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen. Es wurde ein möglichstes getan, um ihren Forderungen nachzukommen, aber auch gleichzeitig den Fahrzeugpark der BMC nicht zusammenschmelzen zu lassen. Verzögern hieß die Devise. Ohne "Paper vom Bossman", das war in diesem Fall der Kommandant der Schutztruppe, sollte nichts mehr laufen. Tatsächlich kam nach und nach eine gewisse Ordnung in das Chaos und auch der Benzinverbrauch senkte sich leicht. Daß in der Service Station keiner größeren Schaden genommen hat, lag wohl an dem Umstand, daß sonst keiner mehr die Wagen hätte reparieren können. Auch die zur Abschreckung, neben der Einfahrt der Service Station geparkten Autos oder besser was noch davon über war, konnte die Freiheitskämpfer nicht davon abhalten weiter im Höchsttempo die Straßen Liberias abzufahren. Der Abschleppwagen war dauernd im Einsatz, vier Tote und etliche Verletzte waren zu beklagen. Auch Bong Town sollte nicht zur Ruhe kommen. Immer wieder gingen neue Nachrichten über Autodiebstähle, Einbrüche und Bedrohungen von Houseboys in der Zentrale ein. Versuche der Lage Herr zu werden scheiterten immer wieder an Kompetenzschwierigkeiten der anwesenden Schutztruppe. Es schien, als hätte man uns nur Generäle und keine Soldaten geschickt. Erst als auf Drängen der Geschäftsleitung in Düsseldorf, über die amerikanische Botschaft, Verbindung mit Charles Taylor aufgenommen werden konnte, wurde ein neuer Kommandant der Bong zugeteilt und es kehrte etwas mehr Ruhe ein. Mit äußerster Härte geht er gegen Diebe und Plünderer (soweit nicht aus den eigenen Reihen) vor. Auf Einbruch oder Diebstähle stand nun erschießen, vorher wurden solche Vergehen mit dem Einschneiden eines Ohres geahndet.
Die ersten Tage nach der Evakuierung haben uns schon eine Menge Nerven gekostet. Später konnte man eine gewisse Gewöhnung an die Lage feststellen. Die Freiheitskämpfer richteten sich im ehemaligen Immigrations Office ein, stellten Passierscheine aus, hielten Schnellgerichte ab und rekrutierten neue Soldaten für ihre NPF. Viele der durch den Stillstand der Bong arbeitslos gewordenen Contraktoren schlossen sich gerne den neuen Herren an. In Bong Bussen ging es dann in die in Nimba liegenden Ausbildungslager der NPF.
Aufmerksam verfolgten wir die Nachrichten der BBC, immer hoffend, daß ein baldiges Ende des Krieges in Sicht käme. Leider schien nun alles zum Stillstand zu kommen. Die Friedensgespräche in Freetown verliefen ohne Ergebnis. Die NPF forderte den sofortigen Rücktritt des Präsidenten Doe, eine Übergangsregierung unter Charles Taylor und dann Neuwahlen. Doe bestätigt seinen Standpunkt, daß er verhandlungsbereit ist, aber nicht zurücktreten will.
Radio und Fernsehen Liberias berichten kaum Informationen über die Lage im Land. Es sollte der Eidruck erweckt werden, als wäre alles in bester Ornung. Währenddessen näherten sich die Freiheitskämpfer, ohne auf größeren Widerstand zu stoßen, der Haupstadt Monrovia. (Hauptsächlich mit BMC Fahrzeugen)
Keiner der hiergebliebenen konnte sich so recht an das stückweise demontieren der Bong Mine gewöhnen, aber wir hatten keine andere Wahl. Einige von uns hatten die unangenehme Aufgabe, die von den Freiheitskämpfern hingerichteten begraben zu müssen, da sich diese nicht um ihre Opfer kümmerten. Es entstand ein kleiner Friedhof an der Weggabelung zwischen Schieß- und Kart Club. Der Radlader, mit dem diese Actionen durchgeführt wurden, kam immer öfter zum Einsatz. Viele der Opfer wurden erst nach einigen Tagen gefunden und der Verwesungsprozeß hatte bereits eingesetzt. Die Beerdigungsmannschaft wurde jetzt mit Gasmasken ausgerüstet.
Am Freitag, dem 29. Juni 1990, gegen 12:30 Uhr verhängte der für die Bong zuständige Commander eine unbefristete Ausgangssperre, da Kampfhandlungen in der Nähe der Bong stattfanden. Bereits einige Tage vorher sprachen Gerüchte davon, daß eine sich von Charles Taylor separierte Gruppe sich in Richtung Bong bewegen sollte. Solchen Gerüchten schenkten wir aber wenig Aufmerksamkeit. Am selben Tag noch meldete der Commander gegen 18 Uhr, daß kein Anlaß zur Sorge besteht, die Lage völligunter Kontrolle sei und auch die Ausgangssperre aufgehoben wäre. Um 22:40 Uhr erreichte uns eine Meldung aus dem Power House, daß sich zirka fünfzig uniformierte Soldaten dem Power House nähern. Wir wollten und konnten das, was uns da gemeldet wurde nicht glauben und fragten mehrmals nach, ob es sich da nicht um eine Fehlinformatin handelte. Der uns als sehr zuferlässig bekannte Operator wiederholte nochmals seine Aussage und wir mußten die Sache sehr ernst nehmen.
Unser erster Gedanke war, daß die Regierungstruppen einen Gegenschlag führten, um die Bong zurück zu erobern. Wir sollten uns irren.
So schnell wir konnten informierten wir unsere Besatzungstruppe über die neue Lage. Nach etwa zwanzig Minuten hatten wir eine 30 Mann starke Truppe zusammengetrommelt, die sich zögernd auf den Weg zum Power House machte.
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich bereits zwei der europäischen Angestellten auf dem Weg zum Power House um, die Gefahr nicht ahnend, nach dem Rechten zu schauen. Als sie rechts und links von der Straße in Deckung gehende Gestalten bemerkten wurde ihnen klar, daß sie in eine Sackgasse geraten waren. Das Tempo stark reduzierend bogen sie Richtung Service Station ab. Dort angekommen machten sie durch langsames auf und ab gehen auf sich aufmerksam. Es dauerte etwa fünf Minuten bis sich zwei der Uniformierten, mit schweren Maschinengewehren bewaffnet, näherten. Weitere zwölf Soldaten traten aus ihrer Deckung hervor und näherten sich der Service Station. Nach einem kurzen Gespräch forderten sie den Elektriker auf, das Power House unverzüglich abzuschalten. Der Mechaniker verblieb an der Service Station, während der Elektriker mit den Soldaten zum Power House ging. Beeindruckt und beängstigt von der Größe der Amlagen richteten sie ihre Waffen auf Generator und Antriebsdiesel. Es gelang unserem Elektriker gerade noch, sie davon zu überzeugen, daß sich das Power House auch per Schalter abstellen läßt. Nachdem die nötigen Schaltungen durchgeführt wurden, erlosch das Licht in Bong Town. Die nun sichtlich erleichterten Uniformierten entlassen den Elektriker Richtung Service Station, wo für die beiden eine lange Nacht beginnen sollte.
Der durch das Ausschalten des Lichtes alarmierte Schichtführer (Mr. E. Hermes) machte sich sofort auf den Weg zum Power House. Die neue Lage nicht kennend näherte er sich mit hoher Geschwindigkeit dem Power House. Aus mindestens vier schweren Maschinengewehren wurde das Feuer auf ihn eröffnet. Sofort geriet der Wagen in Brand und Metallfetzen wurden von den einschlagenden Kugeln herumgeschleudert. Der Bericht aus der Service Station war klar, wer in dem Wagen gesessen hatte, hatte keine Möglichkeit des Überlebens. Schnell fanden wir heraus, wer der Fahrer des Wagens war und eine tiefe Betroffenheit überkam uns. Wir konnten nichts weiter tun als abzuwarten. Während der ganzen Nacht wurde in Bong Town schwer geschossen und wir suchten nach geeigneter Deckung und beteten, daß alles bald ein Ende hat. Gegen 06:30 Uhr des nächsten morgens erscheint eine Delegation der neuen Herren und stellt sich vor. Die von uns fälschlicherweise für regierungstruppen gehaltenen Kämpfer präsnetieren sich als eine Separatistengruppe Taylors, die unter der Führung Prince Johnson kämpfen und Charles Taylor unehrenhafte Absichten unterstellen. Wir weisen darauf hin, daß wie einen Schwerverletzten oder sogar Toten bergen wollen und erhalten auch die Erlaubnis der neuen Herren. Außerdem wird uns gestattet, daß wir das Power House wieder zuschalten dürfen.
Über Telephon verständigen wir den immer noch in der Service Station verweilenden Elektriker, daß er versuchen sollte das Kraftwerk zuzuschalten und auch nach dem zusammengeschossenem Auto zu schauen. Dort angekommen bemerkt er, daß sich eine Blutspur von dem ausgebrannten Wagen in Richtung Power House zieht. In einer Ecke auf Ptzlappen zusammengerollt lag der, wie durch ein Wunder noch lebende [Elmar Hermes].
Wie wir später erfuhren, hatte er sich aus dem Wagen fallen gelassen und sich zu dem Platz, an dem wir ihn fanden, schleppen können.
Das Kraftwerk wurde zugeschaltet, aber die Bergung des Verletzten durch wieder aufflammende Gefechte unmöglich gemacht.
Erst gegen neun Uhr wurde es uns möglich, den verletzten zu bergen und mit der Feuerwehr-Ambulanz ins Krankenhaus zu bringen. Gerade noch rechtzeitig, denn der Blutverlust war nicht unerheblich.
Die neue Rebellentruppe erschien diesmal, gegen elf Uhr, mit ihrem Anführer Prince Johnson am Haus des General Managers, um mit unserem Management zu sprechen. Das gesamte Haus wird umstellt und eine zwanzig Personen starke Leibwache betritt mit ihm zusammen das Haus. Es fällt auf, daß er viele Frauen in seiner Leibwache hat. Als in Libyen zusammen mit Taylor ausgebildeter Guerillakämpfer stellt er sich uns vor. Am Anfang des Bürgerkrieges noch zusammen mit Taylor kämpfend, hatte er sich nach einigen Meinungsverschiedenheiten mit einer einer Gruppe von Kämpfern abgesetzt, um seine eigenen Wege zu gehen. Hauptsächlich bewegte er sich im Busch und ausschließlich zu Fuß. Auffallend war noch, daß sich seine Truppe in allerbester Verfassung befand und äußerste Disziplin herrschte. Er bat uns, noch eine Ansprache über unseren Radio Sender abspielen zu dürfen, was wir ihm nicht abschlagen konnten (wie auch?).
Um Punkt dreizehn Uhr spielten wir die etwas dürftige Rede über Radio Bong Town ab. Kurz darauf beherrschte erneuter Gefechtslärm das Leben in Bong Town, der bis in die Abendstunden anhielt.
Aus unserem Spital kam die einzige gute Meldung des Tages. Der am Power House verwundete hat eine Weichteilverletzung am oberen rechten Brustkorb, eine Lungenprellung, offener Trümmerbruch am rechten Unterschenkel, leichte Kniescheibenverletzungen, aber er wird überleben. Es besteht aber weiterhin die Gefahr, daß das rechte Bein amputiert werden muß.

Für Montag, den 02. Juli 1990, war eine Besprechung mit Prince Johnson vereinbart, um ihm die versprochene Telephonverbindung nach Übersee zu vermitteln. Gerade an diesem morgen brach die Verbindung zusammen, da Monrovia die Satellitenstation abgeschaltet hatte. Sichtlich enttäuscht, daß er nun keine Möglichkeit hatte sich der Welt mitzuteilen, zog er mit seiner Leibwache wieder ab.
Gegen 11:30 Uhr wurden wir über einen vermuteten Gegenschlag von Seiten Taylors informiert, der aber nicht stattfand.
Es war auffällig, wie diszipliniert und zurückhaltend sich die Truppe des Prince Johnsons verhielt. Da gab es kein plündern und stehlen, vielmehr versuchten sie die verängstigte Bevölkerung von ihren Ideen zu überzeugen. Am Nachmittag des 03. Juli 1990 fragte Prince Johnson das Management um Reis, für sich und seine 600 Mann starke Truppe, die außerhalb Bong Towns lagerte. Über die ihm angebotenen drei Sack Reis erbost, fuhr er mit dem Controller zum Bong Reis Store und verlud dort 60 Sack Reis auf zwei Pick-Ups. Somit war der Reisvorrat der Bong auf zehn Sack zusammengeschrumpft. Mit dem beschlagnahmten Reis ging es nun wieder zum Main Gate, wo er die hälfte des Reises an die Bevölkerung verteilen will. Bei der Verteilung gab es Handgreiflichkeiten, so daß sie abgebrochen wurde. Zwei auf der Suche nach unserem Controller befindende Europäer trafen nun auch am Main Gate ein und wurden aufgefordert Platz zu nehmen. Unter Alkohol stehend und sich immer weiter in Rage redend drohte Prince Johnson alle Europäer umzubringen, um wie Idi Amin in die Weltpresse zu gelangen. Nach längeren Monologen über Afrika und die Welt wandte er sich an den Controller und forderte ihn auf, sofort $50.000 zu beschaffen, die er für der Einkauf von Waffen benötige. Während er sich auf den Weg machte, blieben eine Gruppe von Libanesen und die zwei Europäer beim "Prinzen". Sich immer weiter vor der Menge (200 - 300 Personen) aufbauend schoß er mehrmals vor die Füße der separat sitzenden "White People". Nach einer Stunde kam der Controller mit etwa $42.000 zurück und überreichte das Geld in einer Papiertüte. Danach werden die "White People" entlassen und sie machten sich mit zitternden Knien auf den Weg um uns Bericht zu erstatten.
Der Funkspruch den wir am nächsten Morgen um acht Uhr an die Deutsche Botschaft absetzten lautete: Wir sind sehr um unsere Sicherheit besorgt, denn der neue Herr ist unberechenbar. Dies soll an die offiziellen amerikanischen und deutschen Stellen weitergegeben werden. Alle Anstrengungen uns zu beschützen oder zu evakuieren sollen eingeleitet werden. Gegen 11:30 Uhr des selben morgens zieht Prince Johnson mit seinen Kämpfern Richtung Kakata ab. Gegen dreizehn Uhr beginnen wir die Johnson Opfer zu beerdigen. Es wurden in den Tagen der Prince Johnson Besatzung weit weniger getötet als zuvor, aber den Eindruck, den er bei uns und der Bevölkerung hinterlassen hat wird noch lange anhalten. Die nächsten Tage sind sehr ruhig, denn weder Johnsons noch Taylors Leute lassen sich sehen. Mit einer Transall Maschine sollen wir evakuiert werden und alle Vorbereitungen seien getroffen,meldete die Deutsche Botschaft. Aufgrund der jetzt wieder ruhigen Lage lehnen wir ab (warum eigentlich) und entschlossen uns, die Evakuierung unseres Schwerverletzten nach Freetown (Sierra Leone) mit Hilfe einer Sportmaschine des Bong Aero Clubs einzuleiten. Über die bekannten Kanäle wird ein weitertransport des Patienten nach Deutschland, sowie Landerechte in Freetown, organisiert.

Eine Ärztin, ein Pilot und der Schwerverletzte starten am 07. Juli 1990, um 08:40 Uhr ohne Probleme vom Bong Air Field. Die Information, daß die Maschine gut gelandet ist, erreicht uns noch am selben Tag. Am darauf folgenden Tag trifft auch der Lear Jet der Rettungsflugwacht in Freetown ein, um den Weitertransport des Patienten zu übernehmen. Auch auf der Bong tut sich einiges. Die von Prince Johnson in die Flucht geschlagenen Freiheitskämpfer kommen so langsam wieder aus ihren Löchern und beginnen mit der erneuten "Besetzung" der Bong. Die Landeerlaubnis für die am 09. Juli 1990 aus Sierra Leone zurückkehrenden Flieger wurde bereits am Vortag eingeholt. Doch als es dann soweit war, kam ein neuer Kommandant und drohte mit dem Beschuß, der Maschine, wenn diese versuchen sollte zu landen. Mit immer lehrer werdenden Treibstofftanks erwägt der Pilot eine Notlandung in der Mine, denn für ein umkehren ist es zu spät. In letzter Minute gelingt es, den Kommandanten zu überzeugen, daß keinerlei Gefahr von dem Flugzeug ausgeht. Mit dem letzten Tropfen landet dann die Maschine sicher und wieder hatten wir Glück gehabt, daß nichts schlimmeres geschehen ist.
Der Tag war noch jung und sollte noch eine weitere Überraschung bringen. Um 21 Uhr meldet das Spital die Ankunft zweier Bong Hafen Mitarbeiter. Nur mit dem, was sie am Leibe trugen hatten sie das von den Rebellen besetzte Camp am Bong hafen verlassen und sind vor den heranstürmenden Regierungstruppen geflüchtet. Sich einer anderen Flüchtlingsgruppe anschließend erreichten sie nach zwei Tagen Bong Mine. Aus der weiteren Entwicklung konnten wir ersehen, daß ein verbleiben im Camp tödlich gewesen wäre. Aufmerksam verfolgen wir über BBC die weitere Entwicklung im Lande und sind erleichtert zu hören, daß Prince Johnson sich auf dem Weg nach Monrovia befindet. In Bong ist fast alles "back to normal". Freiheitskämpfer besetzen Häuser, stehlen Autos, morden Diebe, Krahns und andere. Wir sind bemüht, sie bei Laune zu halten und tanken ihre Autos auf, schleppen die Unfallwagen ab und beerdigen ihre Opfer. Wie lange können wir noch gute Miene zum Bösen Spiel machen?
Aber es gibt auch positives zu berichten. Auf Anfrage unseres Manager´s, Reis für die liberianischen Mitarbeiter zu beschaffen, erfahren wir, daß ein Reisschiff im Hafen von Buchanan liegt und die Straßen dorthin unter ihrer Kontrolle sind. Eine Lastwagenkolonne von fünf Fahrzeugen macht sich auf den Weg zu dem 200 Kilometer entfernten Hafen. Zwei der fünf Trucks kehren mit Reis zurück und nach einigen Tauchen auch die anderen wieder auf, allerdings ohne Reis. Da es nun sicher scheint, daß die Kampfhandlungen nur noch in der Hauptstadt stattfinden, arrangiert sich die Bong Mining Company in der von Agnes Taylor (First Lady) geführten NEROC (National Emergency Relief Organisation Commit). Mit Bong Lastern wird der Reis im ganzen Land verteilt und die Fahrzeuge der NEROC genießen an den Checkpoints hohes Ansehen und haben freie Fahrt. Ein Team von Ärzten und Technikern besucht das in der Nähe von Monrovia liegende Flüchtlingslager Fendal. Dort leben auf dem Gelände der liberianischen Universität etwa 60.000 Flüchtlinge. Sanitäreinrichtungen fehlen völlig, eine Lagerorganisation ist nicht zu erkennen, irgendwo wird NEROC Reis verteilt, die Trinkwasserversorgung erfolgt mit Tankwagen aus der Firestone Plantage und durch Regenwasser. Die von uns eingeleiteten Maßnahmen sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber einen Versuch Wert. Wir schicken fast täglich einen Tankwagen mit aufbereitetem Trinkwasser ins Flüchtlingslager, reparieren einen Generator und eine Brunnenpumpe, fahren Kranke zum Bong Spital. trotz aller Bemühungen sterben täglich vierzig Menschen in diesem Lager und die Zahl steigt ständig. Auf unseren Fahrten sehen wir die Flüchtlingsströme die sich auf der Suche nach ihren im Busch lebenden Verwandten durch das ganze Land bewegen. Totenköpfe getöteter Krahns und Mandingos zieren Checkpoints und Fahrzeuge der Freiheitskäpfer. Dank der Reislieferungen sieht die Versorgungslage der Bong sehr gut aus. Selbst als das Fahrzeugbenzin ausgeht gelingt es über Buchanan, 100 Tonnen Treibstoff zu beschaffen. Somit muß die einzige Tankstelle Liberias nicht geschlossen werden und unsere Freiheitskämpfer genießen den Luxus eines eigenen Autos. Mit der Moral der kämpfenden Truppe scheint es ohnehin nicht weit her zu sein, denn in Monrovia sind die Fronten klar festgestellt. Anstatt Erfolgen, häft sich die Zahl der Rückschläge. Allein die Gruppe um Prince Johnson vermag Erfolge zu verzeichnen. Taylors Truppe ist mehr mit der persönlichen Bereicherung beschäftigt als mit dem Kampf für Freiheit. "We go fight small" ist das Motto und leider ist damit nicht viel zu gewinnen. Überhaupt besteht die ganze Motivation der Taylor Truppe darin, daß alle Krahn und Mandingos getötet werden sollen. Damit ergibt sich für die unter Doe kämpfenden Truppen nur die Möglichkeit, bis zur letzten Patrone zu kämpfen, da eine Aufgabe dem Tod gleichkommt.
Prince Johnson hingegen gibt den Krahn Soldaten die Möglichkeit zur Aufgabe, denn er ist nach eigenem Bekunden nur an einer Absetzung Does interessiert, um dann freie Wahlen in Liberia durchzuführen. Aber wem kann man in einem solchen Stammeskrieg noch Glauben schenken.
Auch Informationen, die uns über das teilweise noch funktionierende Telephonnetz aus Monrovia erreichen, sind nicht sehr ermutigend. Wir erfahren, daß ein weiterer in Monrovia verbleibender Bong Mitarbeiter abends in seinem Haus von Regierungssoldaten überfallen wurde, sich bis auf die Unterhose ausziehen mußte und zusah, wie sein ganzes Hab und Gut abtransportiert wurde. Als er aus dem inneren seines Hauses hörte "What we will do with the white man?" und ein Soldat mit dem durchladen seines Gewehrs antwortete, sprang er in den an seinem Haus vorbeiführenden Fluß, verbrachte die Nacht am sumpfigen Ufer und erreichte am nächsten Morgen ein nahegelegenes Spital. Von dort fuhr er in einem Ambulanzwagen zum Bong Port, zahlte die letzten Gehälter aus und brachte den verblieben Safeinhalt zur amerikanischen Botschaft. Von dort begab er sich in ein in der Innenstadt liegendes Hotel (El Mason). Am selben Tag noch eskalierten die Ereignisse in Monrovia, sodaß eine Rückkehr zur Botschaft unmöglich wurde. Wir standen mehrere Tage mit ihm in Verbindung und er berichtete uns über die Entwicklung in Down Town Monrovia. Außer den Regierungssoldaten war keiner mehr sicher auf den Straßen Monrovias. Wahllos wurden Zivillisten erschossen und die Plünderungen kannten keine Grenzen. Seine letzte Meldung, bevor die Telephonverbindung abbrach, lautete: "Ich habe zwei Matrazen und einen Tisch als Deckung, habe alles verloren bis auf mein Leben". Danach folgte Betroffenes Schweigen auf beiden Seiten. Wir hoffen alle, daß er es irgendwie überlebt.